Aussuchen, beantragen, installieren, fertig? So einfach ist das Einrichten einer Ladestation in der Eigentümergemeinschaft leider nicht. Denn hier treffen Regeln einerseits und unterschiedliche Interessen der Eigentümer andererseits aufeinander.

In diesem Beitrag lesen Sie, was Sie zum Installieren einer Ladestation in Ihrer Eigentümergemeinschaft wissen sollten – von den Herausforderungen über die Vorschriften bis hin zum Kostenfaktor.

Die Installation einer Ladestation in einer Eigentümergemeinschaft – die Herausforderungen

Generell ist die Installation der Ladestation in einer Eigentümergemeinschaft nicht ganz so einfach wie man zunächst denken mag. Das liegt zum einen daran, dass es hier in jedem Fall gilt, die Interessen aller anderen Eigentümer zu berücksichtigen. Zum anderen muss die Eigentümergemeinschaft der Installation der Ladestation sowie allen damit zusammenhängenden baulichen Maßnahmen und Veränderungen zustimmen. Äußern sich zu viele Eigentümer gegen die Installation, so kann der Fahrzeughalter seine Ladestation nicht installieren.

Warum muss die Eigentümergemeinschaft der Installation zustimmen?

Die Schwierigkeit für alle, die eine Ladestation in einer Eigentümergemeinschaft anbringen möchten, liegt darin, dass die Installation meist mit baulichen Änderungen einhergeht. Denn eine Ladestation benötigt Strom und dafür ist es entweder nötig, eine neue Leitung zu legen oder aber eine Verbindung zum gemeinschaftlichen Verteilerkasten herzustellen. Damit handelt es sich um Veränderungen an einem sogenannten Sondereigentum. Und dem müssen die anderen Eigentümer zustimmen.

Hinzu kommt, dass die Ladestation in einer Eigentümergemeinschaft in der Regel auch eine regelmäßige Stromnutzung aus dem gemeinschaftlichen Stromnetz bedeutet – was ebenfalls eine Zustimmung der anderen Eigentümer erfordert. Was im ersten Moment vielleicht abschreckend klingt, ist jedoch kein Grund, die Installation der Ladestation in einer Eigentümergemeinschaft direkt an den Nagel zu hängen. Denn seit geraumer Zeit gibt es eine Novellierung der gesetzlichen Vorgaben, die es Fahrzeughaltern von Elektroautos deutlich leichter machen soll, eine private Ladestation an der Immobilie einer Eigentümergemeinschaft anzubringen.

Ein neues Gesetz für mehr Rechte

Dass die bislang geltenden, strengen Vorgaben des Wohnungseigentumsmodernisierungs-Gesetzes (WEG) alles andere als förderlich sind für die Anzahl von E-Fahrzeughaltern, ist offensichtlich. Das hat auch der Gesetzgeber erkannt und eine Erneuerung des WEG angestoßen. Ziel ist es, sowohl Mietern als auch Wohnungseigentümern einen rechtlichen Anspruch auf die Installation einer Ladestation in einer Eigentümergemeinschaft zu verschaffen. Wer sich also eine private Ladestation zulegen möchte und gegebenenfalls damit einhergehende bauliche An- oder Umbaumaßnahmen plant, soll das nun leichter realisieren können – und zwar ohne viel Aufwand und Bürokratie.

Die Bundesregierung verspricht sich davon gleich zwei positive Effekte. Erstens möchte sie damit die Attraktivität von Elektrofahrzeugen erhöhen und so die Zahlen der E-Fahrzeughalter weiter steigern. Zweitens erhofft sie sich durch ein modernisiertes WEG, dass die Hürden für die Installation einer Ladestation in einer Eigentümergemeinschaft deutlich niedriger werden. Denn während es bisher so war, dass Mieter auf die Erlaubnis des Vermieters angewiesen waren und Wohnungseigentümer sich die Zustimmung aller oder eines Großteils der anderen Wohnungsbesitzer bei der Eigentümerversammlung einholen mussten, soll die mehrheitliche Zustimmungspflicht jetzt ein Ende haben. Die Installationskosten sind allerdings vom Mieter bzw. vom Wohnungseigentümer selbst zu tragen.

Weniger Streitpotenzial und schneller Entscheidungen

Ein weiterer Vorteil, den sich die Bundesregierung durch die Gesetzesänderung verhofft, ist eine effizientere und transparentere Gestaltung von Entscheidungsprozessen in Eigentümergemeinschaften. Aber: Die Stimmen der anderen Eigentümer, die gegen die Anbringung einer privaten Ladestation in der Eigentümergemeinschaft stimmen, dürfen nicht überwiegen. So soll das Interesse an der Installation definitiv berechtigt sein, um niemanden zu übergehen.

Diese baulichen Vorgaben gilt es bei der Installation einer Ladestation in einer Eigentümergemeinschaft zu beachten

Wichtig ist, dass die Installation der Ladestation in der Eigentümergemeinschaft die Eigenart der Wohnanlage nicht verändern darf. Daher legt der Gesetzgeber auch fest, welche Standorte für die Anbringung des Ladepunktes möglich sind. So können Ladestellen entweder an einem Stellplatz, einer Einzelgarage oder an Parkstellen, die dem Sondereigentum des betreffenden Eigentümers zuzuordnen sind, angebracht werden. Außerdem ist es möglich, die Ladestation an Stellplätzen im Gemeinschaftseigentum zu installieren, an denen ein Eigentümer über bestimmte Sondernutzungsrechte verfügt.

Eine weitere Voraussetzung für die Installation einer Ladestation in einer Eigentümergemeinschaft ist, dass niemand durch die Baumaßnahmen behindert werden darf. Das bedeutet, dass zu jeder Zeit eine Barrierefreiheit gegeben sein muss und dass sich jedwede Lärm-, Schmutz- oder sonstige Belästigungen in möglichst geringem Maße halten sollten. Empfehlenswert ist es in diesem Zusammenhang, die Miteigentümer bereits im Vorfeld darüber zu informieren, welche Beeinträchtigungen eventuell auf sie zukommen könnten.

Die richtige Planung entscheidet

Wer mit der Installation seiner Ladestation in der Eigentümergemeinschaft definitiv auf der sicheren Seite sein möchte, sollte auf jeden Fall frühzeitig mit einer detaillierten Planung beginnen. Dazu gehört nicht allein das Vorbringen der Anfrage bei der Eigentümerversammlung, sondern auch die Klärung von Haftungsrisiken, die sich eventuell ergeben könnten, sollten die Verkehrssicherungspflichten während der Baumaßnahmen nicht eingehalten werden. Ebenfalls empfehlenswert ist es, sich schon vorab über mögliche Rückbaumaßnahmen zu erkundigen. In dieser Phase sollte bereits ein qualifizierter Elektroinstallateur mit ins Boot genommen werden.

Ein weiterer Vorteil der frühzeitigen Planung ist, dass sich Interessierte auf diese Weise in das Installationsprojekt der Ladestation in Ihrer Eigentümergemeinschaft einschalten können. Das große Plus dabei: Je mehr Eigentümer die Ladestation mitnutzen möchten, umso geringer die Kosten. Denn bei einer späteren gemeinsamen Nutzung lassen sich die Installationskosten unter allen Nutzern aufteilen.